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Die körperliche Untersuchung

Dr. Schwan: "Guten Tag, Herr Schmidt, mein junger Kollege hat vorhin ja schon ausführlich mit Ihnen gesprochen. Ich möchte Sie jetzt gerne untersuchen. Haben sie etwas dagegen, wenn Herr Klausen zuschaut?
Herr Schmidt: "Nein, natürlich nicht."

Zunächst gewinne ich einen Gesamteindruck von dem Patienten: Wie groß, wie dick, wie alt wirkt der Patient. Wirkt er krank oder schwerkrank? Kann er gehen stehen, sitzen, sprechen? Hat er eine auffällige Hautfarbe, oder einen auffälligen Geruch? Die Untersuchung beginne ich an den Händen, um den körperlichen Kontakt behutsam aufzunehmen. Ich achte auf Farbe, Temperatur, Schwellungen, Verletzungen, Nagelveränderungen usw.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, zeigen Sie mir mal bitte Ihre Hände."

Dann untersuche ich den Patienten von Kopf bis Fuß. Wieder steht die Inspektion am Anfang der Untersuchung, ich achte auf Haar- und Hautveränderungen, Schädelform, Gesichtsausdruck, Farbe usw. Danach kommt die Palpation: Trigeminusdruckpunkte, Kalottenklopfschmerz und abtasten der Lymphknotenregionen am Hals und im Nacken.

Dr. Schwan: "Tut es Ihnen weh, wenn ich hier drücke oder klopfe?"
Herr Schmidt: "Nein, das tut überhaupt nicht weh."

Dann untersuche ich grob die Funktionen, d.h. ich frage nach der Beweglichkeit von Kopf und Hals und bewege den Kopf vorsichtig passiv. Ich frage, ob der Patient gut sehen, riechen, hören und schmecken kann und untersuche die Funktionen bei Bedarf grob.

Dr. Schwan: "Und Herr Schmidt, können sie gut sehen, riechen, hören und schmecken?"
Herr Schmidt: "Seit einigen Jahren brauche ich eine Brille zum Lesen, aber sonst ist alles in Ordnung."

Dann nehme ich ein kleine Taschenlampe, überprüfe die Pupillenreflexe und schaue dem Patienten in Mund und Rachen.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, machen Sie mal bitte den Mund auf, und sagen Sie: Ahhh! - Danke."

Als Letztes in der Kopf-Hals-Region taste ich noch die Schilddrüsenregion ab. Das geht am Besten von hinten. Dabei ist es, wie immer, wichtig, dem Patienten genau zu erklären, was man vor hat, damit er sich darauf einstellen kann.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, ich möchte jetzt Ihre Schilddrüse abtasten, dazu stelle ich mich hinter Sie und umgreife mit meinen beiden Händen Ihren Hals. Wenn irgendetwas weh tut oder unangenehm ist, sagen sie mir Bescheid.

Dann bitte ich den Patienten sich auszuziehen, den Schlüpfer kann er anlassen.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, würden Sie sich bitte ausziehen und auf die Untersuchungsliege legen?"
Herr Schmidt: "Gut, einen Moment bitte."

Dann untersuche ich zunächst Thorax und Abdomen. Wieder nach dem Schema: Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation.

Also zunächst auf äußere Veränderungen am Thorax achten, dann perkutiere ich die Lunge, bestimme die Lungengrenzen und die Atembeweglichkeit und horche dann zum Schluß die Lunge ab.

Dr. Schwan: "Gut, Herr Schmidt, ich klopfe dann mal Ihre Lunge ab, bitte ganz normal weiter atmen.....jetzt bitte mal die Luft anhalten....gut und jetzt wieder normal weiter atmen."

Und wenn ich schon gerade beim Rücken bin, untersuche ich die Wirbelsäule auf druckschmerzhafte Stellen.

Dr. Schwan: "Und tut es Ihnen weh, Herr Schmidt, wenn ich Ihnen so auf den Rücken klopfe?"
Herr Schmidt "Nein, da tut auch nichts weh."

Dann kommt die Auskultation:

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, jetzt mal bitte mit offenem Mund tief ein- und ausatmen. Wenn Ihnen schwindelig wird, hören Sie auf!"
Herr Schmidt: "Gut."
Dr. Schwan: "So, ich bin fertig, Sie können dann normal weiteratmen."

Das Herz untersuche ich im Wesentlichen auskultatorisch.

Dann untersuche ich den Bauch.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, legen Sie sich jetzt bitte auf die Liege, Danke."

Dann taste ich die Lymphknotenstationen ab, teste die grobe Kraft des Patienten, die Koordinierungsfähigkeit und einige Reflexe. Außerdem frage ich nach Sensibilitätsstörungen oder Parästhesien.

Dr. Schwan: "Herr Schmidt, wenn ich hier über Ihre Haut streiche, fühlen Sie das und ist es auf beiden Seiten gleich?"
Herr Schmidt: "Ja, das fühlt sich ganz normal an."
Dr. Schwan: "Haben Sie manchmal Kribbelgefühle in den Beinen oder Armen oder Ameisenlaufen?"
Herr Schmidt: "Nein, manchmal, ganz selten, schläft mir ein Bein oder Arm ein, aber das ist normal oder?"
Dr. Schwan: "Ja, das ist normal."
Marek Klausen: "Was bedeutet das, mir schläft ein Bein ein?"
Dr. Schwan: "Manchmal sitzt oder liegt man ungünstig, so daß die Durchblutung eines Nervs kurzzeitig unterbrochen wird. Man hat dann so ein taubes Gefühl oder auch Schmerzen oder Ameisenlaufen in der entsprechenden Extremität. Das betroffene Bein oder der Arm ist dann "eingeschlafen". Mit Schlafen hat das natürlich gar nichts zu tun."

Wichtig ist auch noch, sich die Beine und Füße genau anzuschauen. Man sucht nach Krampfadern, Ödemen, Verletzungen oder Anzeichen von Durchblutungsstörungen. Besonders wichtig ist das bei Diabetikern.

Ganz zum Schluß kommt dann die rektale Untersuchung, auch wenn es für den Patienten und den Untersucher unangenehm ist, sollte man sie eigentlich bei Patienten über 60 Jahren jedesmal durchführen, denn es ist eine sehr einfache aber wirkungsvolle Krebsvorsorgeuntersuchung.

Dr. Schwan: "Gut, Herr Schmidt, Sie können sich dann wieder anziehen."

Während der Patient sich anzieht, kann man schon mal damit beginnen, die Befunde aufzuschreiben.

Herr Schmidt: "Gut, ich bin jetzt fertig."
Dr. Schwan: "Haben Sie noch Fragen?"
Herr Schmidt: "Ja, was haben sie denn nun eigentlich heraus gefunden?"
Dr. Schwan: "Bei der Untersuchung war soweit alles in Ordnung. Wir machen jetzt zunächst erstmal ein EKG und dann werden wir weiter sehen. Alles klar?"

Vorsicht bei kitzligen Patienten :-)

 

 

Aufgabe Standard-Anamnesebogen

Bitte füllen Sie den Statusbogen mit den Angaben aus dem Gespräch aus.

 

 

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